On the road with Élouise 97 (Heidelbergblues)

Posted by on Jul 19, 2015 in Élouise

blog 97
Wir gingen hinaus aus der Altstadt, dorthin, wo die Stadt ihre Spuren verwischt hatte wie die Buchstaben einer Schrift. Sie hatte sich abmontiert, ihren Standort verlagert. Was blieb, war der helle Zug ihres Namens auf einer schmutzigen Wand. Kein Licht war zuvor unter die Buchstaben gedrungen. Erst als die Stadt fortging von hier mit jedem Buchstaben ihres Namens, hat sie ihn gleichzeitig hinterlassen, wie ein Tattoo aus Regen und Licht. Wir standen stumm an diesem Ort, weil wir seine Traurigkeit spürten und seine Schönheit, die kantig und sperrig war. Die Stadt war weitergezogen, ins Zentrum hinein, dorthin, wo sie Besucher empfing und Besucherinnen, historisch und begehrt war, bewohnt wurde, gekauft. Hier draußen suchte kaum jemand nach ihr. Die verlassenen Gebäude, die ihren Schattennamen trugen, wurden nachlässig verwaltet, hier ruhten Busse aus und Lastkraftwagen, auf ihrem Weg in die Stadt oder aus ihr hinaus, wenn sie von dort gekommen waren. Wir mochten diesen verlassenen Raum, Zwischenraum, der am Rand war und doch dazu gehörte. Auch wir ruhten gerne aus an unbehausten Orten, an denen die plaudernde Gegenwart schwieg und die Vergangenheit leise erzählen konnte. Zumindest, wenn man still war wie Élouise und wie ich.

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  1. Zusammenfassung der Woche ab 13.07.2015 | Iron Blogger Rhein-Neckar
    20. Juli 2015

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