On the road with Élouise 60 (Neujahrspost)

Posted by on Jan 1, 2015 in Élouise

blog60
Auf dem Weg lag dieses eine erleuchtete Fenster wie ein Postschalter vor uns, den man Mitte der 60er Jahre geschlossen hatte. Drinnen saßen ehemalige Schalterbeamte herum. Wir konnten sie nicht erkennen, hörten sie aber beim Sortieren der altmodischen Neujahrspost Worte murmeln durch die trockene Wärme des Raums, die auf den Karten geschrieben standen. Wir hörten das Rascheln von Umschlägen, die in Postsäcke gesteckt wurden mit schwarzer Beschriftung darauf. Élouise ging über die Straße und kaufte Briefmarken am Automaten. In einem Café setzten wir uns hinter die Scheibe und schrieben, die Worte mit den Lippen vorformend, Briefe an Menschen, die es nicht mehr gab. Wir hofften, dass, wenn wir ihnen Briefe schrieben, die es schon bald nicht mehr gäbe, sie sie trotzdem bekämen. Und schließlich hatten wir unsere Worte nicht nur den Briefen übergeben, sondern als Gemurmel auch dem Geraune der Luft. Wir wünschten uns sehr, dass sie ankommen würden, auf die eine oder andere Weise.

1 Comment

  1. kirsten twelbeck
    1. Januar 2015

    Das habe ich auch schon so oft gedacht: Die Zeit anhalten, indem man einfach Briefe schreibt. „If I was able to write I would continue to live. If I could write without ceasing. I could display it before me and become its voyeur“ (Theresa Hak Kyung Cha).

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