On the road with Élouise 23 (Das wartende Häuschen)

Posted by on Aug 3, 2014 in Élouise

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Wir folgten weiter den Schienen und Élouise schloss die Augen bis zum nächsten Graffiti im Wartehäuschen eines Bahnhofs. Hier schien die Sonne durch die Graffitis hindurch, weil es mehrere waren, übereinander, und die Sonne es dennoch schaffte durch alle hindurch zu scheinen, sie den Rücken der Wartenden aufzuprägen als warmes, vergilbtes Foto. Schauten die Wartenden sich um, weil sie etwas erahnten, warfen sie einen Blick durch die Scheibe des Häuschens, die alles bräunlich erscheinen ließ. Sie lasen die blaue Schrift, weil sie Fußballfans waren mit langen, gestreiften Fransenschals, Bierdosen in den Händen. Wir erhaschten nur diesen einen Blick im Vorüberfahren, ein kurzer Moment, in dem das Graffiti mit den Wartenden davor sich uns auf die Netzhaut legte, ein Netzhautgraffiti. Ich hörte, etwas leiser, das Klackern der geschüttelten Dosen, ihr Hüpfen, wenn sie leer waren und achtlos fallengelassen wurden, vielleicht beiseite gekickt. Jedes Bild ist mit Geräuschen unterlegt, wenn du hinschaust bis du etwas hörst. Nur die Sonne ist leise, es sei denn, sie geht unter mit einem Plopp im Meer. Und wir hörten das Grölen der Fußballfans, hörten ihre Tröten, das metallene Klicken der Griffe, zischendes Gleiten sich öffnender Türen, federndes Ausklappen metallener Stufen. All diese Geräusche und Bilder warteten in dem leeren Häuschen darauf mitgenommen zu werden, auf der Netzhaut, im Ohr, von denen, die Bahn fuhren wie wir. Und etwa zur selben Zeit waren zwei Züge kollidiert, nur unweit von uns, doch davon ahnten wir nichts.

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